Komposita – Wörter richtig zusammensetzen: How to - Teil 8

Das Deutsche besitzt gegenüber anderen europäischen Sprachen eine spezielle Eigenschaft: Es liebt die Bildung sogenannter Komposita. Diese bezeichnen Wörter, die mindestens aus zwei anderen Wörtern zusammengesetzt werden. Warum genau dieser Umstand das Deutsche so besonders macht? Weil wir auf diese Weise zu Bastlern werden und unseren Wortschatz in Texten unendlich erweitern können.

Komposita – Wörter richtig zusammensetzen: How to - Teil 8

Komposita – Wörter richtig zusammensetzen: How to - Teil 8

08.11.2016

Komposita – Wie Sie Wörter richtig zusammensetzen

Das Deutsche besitzt gegenüber anderen europäischen Sprachen eine spezielle Eigenschaft: Es liebt die Bildung sogenannter Komposita. Diese bezeichnen Wörter, die mindestens aus zwei anderen Wörtern zusammengesetzt werden. Warum genau dieser Umstand das Deutsche so besonders macht? Weil wir auf diese Weise zu Bastlern werden und unseren Wortschatz in Texten unendlich erweitern können.

Ein kleiner Trost vorweg: Falls Sie sich mit dem Zusammen- und Getrenntschreiben von Wörtern in Ihren Texten immer wieder schwertun, können wir Ihnen versichern, dass es vielen so geht. Wenn man das Prinzip aber erst einmal verstanden hat, wird Ihnen das Texten umso leichter von der Hand gehen. Aber alles der Reihe nach.

Zusammenschreiben, was zusammengehört!

Nehmen wir mal an, Sie möchten eine Maschine genauer definieren. Sie wissen, mit dieser Maschine kann man Nummernschilder bedrucken. Es ist also salopp gesagt eine Nummernschildbedruckungsmaschine. Anders als in anderen Sprachen ist es im Deutschen kein Problem, endlos viele Wörter aneinanderzureihen. Voraussetzung hierfür ist aber, dass die dem letzten Wort vorangehenden Wörter dieses näher beschreiben. Stellen Sie sich also ganz einfach die Frage: Worauf kann ich den gesamten Ausdruck herunterbrechen? Was ist der kleinste, gemeinsame Nenner? Richtig! Die Maschine. Genau aus diesem Grund erhält das gesamte Konstrukt auch immer Genus und Numerus des letzten Nomens. In unserem Fall den Artikel die (Singular, feminin oder auch Einzahl, weiblich).

Der Bindestrich

Wofür braucht es überhaupt noch den Bindestrich, wenn wir Komposita zusammenschreiben können? Die Antwort darauf ist eher banal: In vielen Fällen fördert er die Lesbar- und Verständlichkeit. Manchmal nämlich kommt es vor, dass zwei Wörter aufeinandertreffen, die uns beim Lesen stolpern lassen oder gar missverständlich sind.

Immerhin ist es ein Unterschied, von einer Hochzeit oder einer Hoch-Zeit zu sprechen. Und auch der Ur-Instinkt kann schnell zu einer miefigen Aussage führen, wenn der Bindestrich fehlt: Urinstinkt.

Bei besonders langen Wörtern kann man dem Leser unter die Arme greifen, indem der ein oder andere Bindestrich Verwendung findet: Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaft liest sich auf jeden Fall leichter als Donaudampfschifffahrtsgesellschaft. Beides ist jedoch erlaubt.

Ausserdem merkenswert: Zusammengesetzte Wörter, in denen die Fugenelemente -s- oder -n- vorkommen, dürfen nie mit Bindestrich geschrieben werden. Beispiel: Lieblingsmensch, bitte nicht Lieblings-Mensch!

Englisch-deutsche Wortkombinationen

Wir gebrauchen sie mittlerweile täglich: englische Begriffe, die ihren Weg in die deutsche Sprache gefunden haben. Wir haben uns an sie gewöhnt, doch wenn es um die richtige Schreibweise in Texten geht, werden viele unsicher. Diese drei Regeln machen Ihnen fortan das Leben leichter:

  • Auch bei einer Verbindung von deutschen und englischen Wörtern gilt die Zusammenschreibung. Ein Bindestrich ist jedoch ebenso erlaubt, um die Lesbarkeit zu verbessern. Beides korrekt: Softwareanalyse oder Software-Analyse.
  • Sollen mehr als zwei Wörter miteinander verbunden werden, ist der Bindestrich obligatorisch. Korrekt: Performance-Control-Zentrum, falsch: Performancecontrolzentrum.
  • Auf Gross- und Kleinschreibung achten: Die einzelnen Bestandteile eines Kompositums sind abhängig von der Wortart gross oder klein zu schreiben. Korrekt: Bring-your-own-Party, falsch: Bring-Your-Own-Party.

Die Nominalisierung ganzer Phrasen

Die meisten von uns verwenden sie eher selten, vor allem auch, weil oft Unsicherheit darüber herrscht, wie sie geschrieben werden. Die Rede ist von Nominalisierungen ganzer Phrasen. Eigentlich schade, dass wir sie so selten in Texten vorfinden, verleihen sie dem ein oder anderen Werk doch eine besondere Würze. Unter Beachtung folgender Regel wissen Sie künftig, wie’s gemacht wird:

Wenn wir aus einem Satz oder einer Phrase mit einer finiten Verbform ein Substantiv bilden wollen, sieht das z. B. so aus: Die Kunst des Alles-auf-eine-Karte-Setzens. Oder auch: Das-auf-dem-Boden-der-Tatsachen-Bleiben. So viele Bindestriche? Jawohl! Schliesslich haben wir aus einem ganzen Satzteil ein Substantiv gebastelt, was laut deutscher Grammatik zusammengehört. Was die Gross- und Kleinschreibung der einzelnen Bestandteile angeht, so gilt Folgendes:

  • Da es sich um ein Substantiv handelt, wird das erste Wort des Kompositums gross geschrieben.
  • Ebenso das letzte Wort, da es durch die Nominalisierung zu einem Substantiv geworden ist wie z. B. wenn wir sagen: Er liebt das Schreiben. ß Das Wort «schreiben» hat hier seinen Status als Verb verloren, indem wir einen Artikel voransetzen.
  • Die restlichen Wörter zwischen dem ersten und letzten Wort werden ihrer Wortart entsprechend gross oder klein geschrieben.

Macht Sinn, oder? Viel Spass beim Ausprobieren!

Ihr jollywords-Team