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Kommas setzen. Aber richtig! Teil 2

Kommas setzen ist nicht schwer – zu wissen, wohin sie gehören, dagegen sehr. Oder nicht? Schliesslich erfahren wir im ersten Teil zu den Kommaregeln, dass der Beistrich beispielsweise bei Aufzählungen und dem erweiterten Infinitiv zum Einsatz kommt oder Einschübe einbettet. Auch dass wir bei «und» gern aufs Komma verzichten können, ist leicht zu merken. Doch weshalb taucht dieses hartnäckige Häkchen trotzdem immer wieder dort auf? Genauso wie vor «sowie» oder «als»? Was es mit der Kommasetzung bei Konjunktionen auf sich hat, erfahren Sie in diesem Beitrag.


Kommasetzung: Kammas richtig setzen, Teil 2, Heroshot

Grammatik unter der Lupe – Kommas vor Konjunktionen

Mit unseren 5 einfachen Regeln zur korrekten Kommasetzung fühlen Sie sich umfassend informiert und rundum versorgt, und nun behelligen wir Sie mit einem zweiten Artikel zum Thema? Ganz genau! Immerhin gibt es viele Ausnahmen von den Regeln. Und als Texter stellen wir gewisse Entwicklungen fest: In zahlreichen veröffentlichten Texten müssen wir fehlende Kommas bemängeln, wo sie eigentlich stehen sollten. Zunehmend sehen wir auch den gegenteiligen Fall: überflüssige Kommas, die nicht selten den Lesefluss stören und wie ein Schluckauf im unpassenden Moment irritieren. Viele Verfasser setzen Kommas offenbar nach Gefühl und dann eben lieber mal eins mehr.

In dieser Ergänzung geht’s nun ans Eingemachte. Wir nähern uns von der praktischen Seite und beleuchten konkret, wann Kommas vor bestimmten Konjunktionen gesetzt werden müssen – oder (fehlen) dürfen. Die erfreuliche Nachricht vorab: Sie können sich entspannt zurücklehnen. Es ist einfacher als Sie annehmen. Oder heisst es «Es ist einfacher, als Sie annehmen.»?

Kommafalle Konjunktion

Konjunktionen sind Bindewörter, die beispielsweise Haupt- und Nebensätze oder einzelne Satzglieder miteinander verbinden. Kommas als Gliederungszeichen haben hingegen eine eher strukturierende bis trennende Funktion. Der Schluss, wo eine Konjunktion steht, sei das Satzzeichen fehl am Platze (und umgekehrt), liegt also nahe. Schauen wir einmal nach, ob es sich dabei nicht um einen Trugschluss handelt:

Komma vor «und»

Aus der Schulzeit wissen wir – und Sie bestimmt auch – noch: Vor «und» gehört kein Komma. Dennoch taucht es dort hin und wieder auf. Richtig gesetzt ist das Komma vor dem «und», wenn 

  • ein erläuternder Nebensatz mit «und zwar» (auch: «und dies», «und das» in gleicher Verwendung) eingeleitet wird: «Birgit hat die Prüfung bestanden, und zwar mit voller Punktzahl.»
  • es eine Apposition abtrennt: «Klaus, der emsige Bücherwurm, und Stefan haben die Prüfung ebenfalls bestanden.»
  • es einen vorausgehenden Nebensatz abschliesst: «Sie absolvierten die Prüfung, die wirklich knifflig war, und feierten anschliessend die guten Ergebnisse in einer Cocktailbar.»
  • es durch eine eingeschobene Infinitivgruppe bedingt ist: «Birgit freut sich darüber, die Bestnote erhalten zu haben, und bereitet sich schon auf die nächste Prüfung vor.»

Merke: Einschübe und Nebensätze werden von einem Kommapaar umschlossen beziehungsweise abgegrenzt, wenn der übergeordnete Satz mit «und» weitergeht.

Für oder gegen den Beistrich vor «und» können Sie sich frei entscheiden, wenn Sie zwei selbstständige Sätze zusammenfügen: «Klaus und Stefan absolvierten die Prüfung(,) und sie feierten anschliessend in der Cocktailbar.»

Kein Komma steht vor «und» bei einfachen Aufzählungen: «Birgit, Klaus und Stefan haben bestanden.»

Komma vor «sowie»

Gebrauchen Sie «sowie» als Synonym von «und» und damit als nebenordnende Konjunktion, zum Beispiel in Aufzählungen, ist das Komma überflüssig: «Birgit, Klaus und Stefan sowie alle übrigen Seminarteilnehmer haben die Prüfung bestanden.» Im Übrigen gelten dieselben Regeln wie beim Komma vor «und».

Verwenden Sie «sowie» jedoch im Sinne von «sobald» als Nebensatz einleitende, unterordnende Konjunktion, ist das Satzzeichen erforderlich: «Sie eilten zur Cocktailbar, sowie (sobald) sie die Ergebnisse erfahren hatten.»

Achtung: Formulieren Sie mit «sowie» einen Vergleich, schreiben Sie es getrennt und ebenfalls mit Komma: «Peter war nicht nach Feiern zumute. Kein Wunder, so wie er abgeschnitten hat.» «Peter hat schlecht abgeschnitten, nicht so wie Birgit.»

Komma vor «oder»

Verbindet die Konjunktion «oder» gleichrangige Satzbestandteile, wird kein Komma davor gesetzt: 

  • «Klassenprimus wird entweder Birgit, Klaus oder Stefan.» 
  • «Stefan glaubt, dass Birgit viel gelernt hat oder [dass sie] ein Naturtalent ist.»

Einschübe wie Nebensätze und Infinitivgruppen werden in Kommas eingebettet, wenn der übergeordnete Satz mit «oder» fortgesetzt wird: 

  • «Klassenprimus wird entweder Birgit, die wirklich viel gelernt hat, oder Klaus.» 
  • «Birgit hat die Gabe, sich den Unterrichtsstoff schnell zu merken, oder sie nimmt sich viel Zeit zum Lernen.»

Ebenfalls ein Komma vor «oder» erfordert die vorangehende wörtliche Rede: «Birgit sagte ‹Ich kann es einfach›, oder so ähnlich.» Gleiches gilt bei einer Anrede oder einer Nachfrage, die Sie an jemanden richten, um sich über den Wahrheitsgehalt einer Aussage zu vergewissern: 

  • «Birgit, du kannst es doch, oder?»
  • «Birgit kann es einfach, oder?»

Analog zum Komma vor «und» können (nicht müssen) Sie das Komma vor «oder» setzen, wenn Sie selbstständige Sätze verbinden und ihre Gliederung hervorheben möchten: «Bildet Peter sich das nur ein(,) oder ist Birgit wirklich so gut?»

Komma vor «als»

Je nach Kontext wird «als» als Adverb oder Konjunktion gebraucht. Das Adverb bedarf keines Kommas: «Damals als Kind hat Birgit mehr gespielt.»

Leitet die Konjunktion «als» einen Nebensatz beziehungsweise einen untergeordneten Temporalsatz ein, setzen Sie ein Komma davor:

  • «Peter schlief schon, als Birgit nach Hause kam.»
  • «Birgit kommt es so vor, als schliefe Peter die ganze Zeit.»

Merke: Folgt nach «als» ein Verb, steht vor der Konjunktion ein Komma – zumindest sehr wahrscheinlich. Denn es gibt Ausnahmen. In «Peter sollte mehr lernen als schlafen.» erfüllt «als» eine andere, nämlich eine vergleichende Funktion. In diesem Fall ist «als» der Vergleichspartikel bei Ungleichheit und verlangt kein Komma. 

  • «Birgit lernt mehr als Peter.»
  • «Birgit ist fleissiger als Peter.»

Übrigens gilt das genauso für die Konjunktion «wie» – ebenfalls ein Vergleichspartikel, der jedoch bei Gleichheit eingesetzt wird: «Peter lernt sehr wohl so fleissig wie Birgit.» Schliesst sich kein Nebensatz mit Verb an, ist das Komma überflüssig.

Komma vor «aber», «jedoch» und «sondern»

Es scheint sich zu verbreiten, vor «aber», «(je)doch» und «sondern» kein Komma zu setzen. Vermutlich resultiert das aus Parallelen zu ähnlich klingenden Wendungen mit «und», die irrtümlich gezogen werden: «Kurz und gut» vs. «Klein, aber oho»

Anders als «und» verbinden diese Konjunktionen jedoch nicht, sondern stellen zwei Sätze oder Satzglieder einander entgegen, die dann durch ein Komma getrennt werden. Mit «aber» oder «sondern» eingeleitete Einschübe, die Gegensätze oder Widersprüche ausdrücken, werden von Kommas paarig eingeschlossen.

Auch hier gibt es Ausnahmen. «Alle haben die Prüfung bestanden. Birgit aber hatte die Bestnote.» Vor diesem «aber» sehen Sie richtig: nichts. Hier liegt der Gegensatz im vorherigen Satz, der bereits durch den Punkt abgetrennt und somit das Komma nicht mehr nötig ist. Verbinden wir beide Sätze zu einem, muss der Beistrich wieder ran: «Alle haben die Prüfung bestanden, aber Birgit hatte die Bestnote.»

Komma vor «um» 

Wann das Komma vor «um» gesetzt wird, hängt davon ab, wie «um» gebraucht wird. Denn das kleine, vermeintlich unscheinbare Wörtchen kann in verschiedenen Wortarten auftreten:

  • Als Adverb verlangt es kein Komma: «Die Prüfung begann etwa um 15 Uhr.»
  • Auch vor der Präposition «um» steht kein Komma: «Birgit wirft mit Wissen nur so um sich.»

Leitet die Konjunktion «um» eine finale Infinitivgruppe beziehungsweise einen Infinitivsatz ein, erkennbar an der Verbindung mit zu + Infinitiv, müssen Sie das Komma setzen: «Birgit hat sehr fleissig gelernt, um die Prüfung zu bestehen.» Es bleibt auch dann stehen, wenn Sie den Infinitivsatz voranstellen oder einschieben:

  • «Um die Prüfung zu bestehen, hat Birgit sehr fleissig gelernt.»
  • «Birgit hat, um die Prüfung zu bestehen, sehr fleissig gelernt.»

Fazit

Wer mit Blick auf unsere Ausführungen nun Zweifel hat, alle Informationen zur Kommasetzung auch im Kopf behalten zu können, dem geben wir noch eine zusammenfassende Merkhilfe mit: Vor nebenordnenden Konjunktionen, die gleichrangige Satzbestandteile oder Sätze miteinander verbinden (zum Beispiel in Vergleichen oder Aufzählungen), steht kein Komma. Einschübe sind sicher zwischen einem Kommapaar aufgehoben. Obligatorisch ist der Beistrich vor Konjunktionen, die Nebensätze, Erläuterungen oder Gegensätze einleiten.

Sie sind unsicher, ob das Komma in anderen, hier nicht genannten Formulierungen gesetzt werden muss? Mit Vergnügen nehmen wir Ihren individuellen Fall unter die Lupe. Kontaktieren Sie uns unter info@jollywords.com und profitieren Sie von fehlerfreien Texten!

 

Autorin: Maria Schuhmacher


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